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Pressemitteilungen



September 2002

Reaktion auf Merz-Interview in der Esslinger Zeitung

Sehr geehrte Damen und Herren,
die in Ihrem mit dem Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU, Friedrich Merz, geführten Interview geäußerten Vorwürfe an die Bundesregierung können nicht unwidersprochen hingenommen werden.
Hier will einer, der seine politische Hauptaufgabe in der Provokation sucht, uns Wähler für dumm verkaufen. Entweder glaubt selbst den hanebüchenen Unsinn, den er von sich gibt oder hält uns tatsächlich für so dumm. Dann ist er allerdings unverschämt, was ja ins Bild passen würde, wenn man sich seine frechen Bemerkungen gegen den Bundestagspräsidenten vor Augen hält.

Es ist nicht die Bundesregierung, die den Menschen in Deutschland in Zeiten des Wahlkampfes Angst vor einem Krieg der USA gegen den Irak macht. Und es entspricht auch nicht den Tatsachen, daß diese Regierung mit dieser Kriegsangst Wahlkampf betreibt und diese schürt.
Das wird auch in Gesprächen deutlich, die man führt und wo über die Behauptungen des Herrn Merz einhellig Unverständnis herrscht.
Im Gegensatz zum Sprücheklopfer Friedrich Merz ist den Menschen hier nicht entgangen, daß es die Amerikaner selbst sind, die durch ihre in den letzten Monaten und Wochen immer schärfer formulierten Drohungen gegen den Irak die Menschen hier in Deutschland und in anderen europäischen Ländern in Angst versetzen.
Und es sind die Amerikaner, die durch ihre Aktionen dazu beitragen, daß sich die Menschen hier in Europa die berechtigte Frage stellen, ob sie mit einem Einsatz der Armee ihres Landes in der Golfregion rechnen müssen. Die in den letzten Tagen stattfindenden Luftangriffe der Briten und Amerikaner bestätigen diese Befürchtungen.

Immerhin scheinen sich die Menschen hier in Europa mehr Gedanken über die Zeit nach einem solchen Krieg oder sogar dessen Scheitern zu machen als die Amerikaner selbst. Dieser Krieg kann durch seine unabsehbaren politischen und wirtschaftlichen Folgen in der betroffenen Region für uns Europäer mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen. Im Übrigen sind uns die Amerikaner immer noch eine ganze Reihe von Antworten nach der Verantwortung für die Attentate von New York und der Verantwortlichkeit des Saddam Hussein für den Terror in der Welt schuldig. Vermutlich werden wir diese Antworten aber niemals bekommen, weil hier möglicherweise ganz andere Interessen im Vordergrund stehen.
Daß diese Fragen ihre Berechtigung haben, wird durch Umfragen in anderen europäischen Ländern aber auch hier in Deutschland eindrucksvoll bestätigt.
Insbesondere im Wahlkampf, wo man wissen will, welche Partei für welche Haltung steht.

Zudem sollte man bei der gesamten Diskussion beachten, daß in der Frage eines möglichen Einsatzes gegen den Irak an der Seite der USA, von der Union immer gerne auf irgendwelche UNO-Mandate verwiesen wird die, sofern vorhanden, uns zu einer Beteiligung am Krieg quasi nötigen sollen. Und wenn die Union in ihrer Haltung zu einem solchen Krieg die Einschränkung macht, daß bei einem entsprechenden UNO-Mandat sich die Deutschen nicht ausnehmen dürften, muß man auch berücksichtigen, daß ein UNO-Mandat in einem anderen Teil der Region längstens von Nöten ist - nämlich in Israel, um die verfeindeten Gruppen dort endlich auseinander zu bringen und die völkerrechtswidrige und konfliktverursachende Besetzung palästinensischen Bodens durch Israel zu beenden.

Der zweite Punkt ist aber, daß es gerade die USA sind, die durch ihren Widerstand seit x Jahren ein UNO-Mandat dort verhindern und eine Befriedung der Region unmöglich machen. Aber gerade dort liegen viele der Ursachen für die Instabilität des gesamten nahen und mittleren Ostens und die Verärgerung und den Extremismus der dort lebenden Menschen auch wegen der Arroganz des Westens und dessen einseitiger Parteinahme.
Es hat schon etwas anachronistisches, wenn die USA hier versuchen die UNO für einen Krieg gegen den Irak zu instrumentalisieren und auf Umwegen wir zur Teilnahme an diesem Krieg gezwungen werden sollen. Die Bundesrepublik macht sich seit vielen Jahren leider erfolglos für den Frieden in der Region stark. Und jetzt sollen wir denen, die für einen Teil der Probleme verantwortlich sind, zur Seite springen und helfen, die Suppe auszulöffeln.
Da kann man schon deutlich sagen, daß man für solche Abenteuer nicht zu haben ist.

Durch widersprüchliche Aussagen hat es die Opposition schlichtweg verpennt, den Menschen hier eine klare Haltung in dieser Frage zu vermitteln. Das tat indes Gerhard Schröder, der vom deutschen Weg sprach und formulierte, was die Menschen in Deutschland wissen wollen.

Daß Friedrich Merz sich darüber ärgert, ist nur zu verständlich, denn schließlich hat es die Union verbockt, rechtzeitig und eindeutig Stellung zu beziehen, wie sie ja auch in anderen Fragen zu keiner klaren Aussage findet. Der Ärger des Friedrich Merz ist zwar verständlich, rechtfertigt es aber nicht, daß er öffentlich den Unsinn vom Schüren der Kriegsangst verzapft, der von den anwesenden Redakteuren der Esslinger Zeitung auch noch unwidersprochen bleibt und nicht weiter hinterfragt wird.

In dieser Angelegenheit kann man Ihren Redakteuren nur ein Kompliment machen. Die Art und Weise, wie sie dem Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU die Fragen lauwarm und mundgerecht aufbereitet haben, sucht in unabhängigen Medien ihresgleichen.

Mit freundlichen Grüßen
Harald Schmidt
Lichtenwald

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